CPI (Consumer Price Index)
Tiefgehender Kontext
Historisch gesehen spiegelte der VPI Phasen hoher Inflation (z.B. 1970er Ölkrise) und Perioden relativer Preisstabilität wider. Jüngste globale Schocks, von Pandemien bis hin zu Energieversorgungsengpässen, haben seine Volatilität erhöht. Bis 2026 wird der VPI voraussichtlich weiterhin von der Anpassung globaler Lieferketten, der Energiepreisentwicklung und der Wirksamkeit fiskal- und geldpolitischer Maßnahmen beeinflusst. Er wird entscheidend sein für die Zinsentwicklung und somit für die Refinanzierungskosten der Staaten und die Investitionsbedingungen.Die Ratsdebatte
“Die Märkte unterschätzen die Fragmentierung. Handelsrouten werden neu gezogen, Protektionismus nimmt zu. Die Ukraine, Nahost – das sind nicht nur lokale Konflikte, sondern globale Lieferkettenrisiken, die von Rohstoffen bis zu Fertigprodukten alles verteuern. Tech-Modelle erfassen solche diskontinuierlichen Schocks kaum. Ein VPI-Modell ohne Berücksichtigung dieser latenten, nicht-linearen Risiken ist unvollständig.”
“Wir sehen eine komplexe Interaktion aus persistenter Kerninflation, angetrieben durch eine robuste Arbeitsmarktnachfrage und erhöhte Lohnforderungen, und externen Kostenfaktoren. Die fiskalischen Impulse der letzten Jahre wirken nach. Eine 'soft landing' wird nur gelingen, wenn die Entankerung der Inflationserwartungen verhindert wird. Die EZB muss hier weiterhin wachsam bleiben, auch wenn der Headline-VPI sinkt.”
“Die makroökonomische Erzählung einer 'Kerninflation' ist oft selektiv. Bei genauerer Betrachtung der Daten sehen wir, dass ein signifikanter Teil der jüngsten VPI-Anstiege auf wenige, volatile Komponenten wie Energie und Nahrungsmittel zurückzuführen ist. Bereinigt man diese Effekte mit robusteren Methoden, zeigt sich eine deutlich geringere Persistenz. Zudem sind die Messmethoden des VPI, insbesondere bei Dienstleistungen und Mieten, mit strukturellen Lags behaftet. Die tatsächliche Kaufkraft erosion für Haushalte mit geringerem Einkommen wird oft unterschätzt, da deren Warenkorb-Gewichtung anders ist.”
“Unsere Analyse der VPI-Futures und der Korrelationen mit Anleihenmärkten zeigt, dass der Markt eine Normalisierung der Inflation preist. Die 2-Jahres-Breakeven-Inflationsraten haben ihren Höhepunkt überschritten. Wir sehen auch eine Abflachung in den gleitenden Durchschnitten des VPI, was auf eine nachlassende Dynamik hindeutet. Die technische Konsolidierung könnte vorüber sein, aber der übergeordnete Trend zeigt eine Rückkehr zu moderateren Raten, unterstützt durch die nachlassende Rohstoff-Rallye.”
“Die Zentralbanken haben mit entschlossenen Zinserhöhungen reagiert, was sich allmählich in der Realwirtschaft niederschlägt. Die Gefahr einer galoppierenden Inflation ist eingedämmt. Jetzt geht es darum, eine Gratwanderung zu meistern: die Inflation weiter zu dämpfen, ohne eine unnötig tiefe Rezession zu provozieren. Fiskalische Disziplin ist ebenso entscheidend, um die Geldpolitik nicht zu konterkarieren. Wir beobachten zudem die Lohntarifverhandlungen sehr genau.”
“Die deflationären Kräfte der Technologie werden mittelfristig unterschätzt. KI-gesteuerte Prozessoptimierung und Automatisierung in der Produktion und Logistik reduzieren Kosten. E-Commerce und Preisvergleichstools erhöhen die Preistransparenz und den Wettbewerb. Diese strukturellen Treiber wirken der Inflation entgegen, auch wenn sie nicht so abrupt sind wie geopolitische Schocks. Der VPI fängt diese Effekte oft verzögert oder unzureichend ein.”